Hallo Handballfreunde,

 

der Ergebnisdienst zu den Verbandsligaspielen hielt sich in den letzten 10 Tagen arg in Grenzen. Und ´nen anständigen Spielbericht gab es auch nur zu lesen, wenn man sich dazu erbarmt, viel zu viel Geld für das lokale Printmedium auszugeben. Da gab es dann auch gleich ordentlich Mecker für Nase. „Wo bleibt denn der Spielbericht?!“ Ja, ein „sorry“ dafür. The one and only Spielbericht, wie er offensichtlich wahrgenommen wird, gönnte sich mal ´ne Auszeit vom heiteren Handballzirkus. Dem Autor dieser Zeilen mochte nach dem aussageschwachen 28:28 Unentschieden gegen die HSG ESV Schwerin-Leezen so gar nichts einfallen.

 

Apropos Auszeit gönnen: Den Einstieg für das Spiel der Handballherren des Hagenower SV am vergangenen Wochenende hätten wir schonmal…

 

Hier wird Gastfreundschaft noch klein geschrieben

 

Am Samstag ging es auf Auswärtsfahrt nach Bad Doberan. Die zweite Vertretung des ortsansässigen SV präsentierte sich durchweg als ganz schlechter Gastgeber. Die wärmende Bohnenbrühe und die kühlende Pilssuppe waren entweder von der Tanke oder nebenan vom Marken-Discount abzuholen. Nun gut, als Gastmannschaften konnten zwar lediglich die B-Jugend-Mädchen des TSV Bützow und eben die Herren des Hagenower SV aufgeboten werden. Doch setzt man sich mal mit dem immer freundlichen Verköstigungsteam der Rostocker Sporthalle Gerüstbauerring in Verbindung, wüsste man vielleicht, welch Geldsegen einem tatsächlich durch die Lappen gehen könnte. Aber wer weiß, wessen Großtante fünften Grades gerade ihren 72. zu feiern hatte. Vielleicht erwartet man Abseits des glorreichen Oberligahandballs ja auch absolut rein gar nichts von seinen Nachwuchsmannschaften und spart sich lieber den Aufwand. Kann man mal machen…

Doch auch und vor allem handballerisch ist Bad Doberan keine Reise wert. Dieses Einzelschicksal hat allerdings nur der HSV selbst zu tragen. Die DSV-Reserve versuchte immerhin, hier seinen Gästen aus Hagenow den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Wer diese Einladung nicht annimmt, ist dann schließlich auch selbst schuld.

 

Wir haben Bananen mitgebracht

 

Da kommt dann also die ungeliebte Bekanntschaft aus dem Westen zu Besuch in den Osten. Wie sich das gehört, bringt dieser natürlich den leckeren Kaffee und das gute Bier gleich selbst mit. Euer Rostocker „Abwaschwasser“ dürft ihr behalten. Heute gibt´s mal was Leckeres. Der Ossi wiederum lässt sich natürlich nicht Lumpen und zeigt erstmal die hübsch eingerichtete Wohnstube. Knapp 30 m² groß mit ´ner hübschen Schrankwand (3x2 Meter, in schwarz-weiß-grün). Der Wessi sagt: „Hier ist es gemütlich, heute bleiben wir hier und bewegen uns nur noch, wenn´s sein muss. Hier hab ich auch noch 12 Bananen für euch mitgebracht.“ Der Ossi meint „Kenn ich schon.“, nimmt sie dennoch dankend entgegen, verspeist sie genüsslich alle auf einmal und freut sich den Arsch ab…

 

„Was schreibt der hier für einen Müll?“ wird sich die breite Leserschaft gerade fragen. Und ihr drei, die ihr bis jetzt noch am Ball geblieben seid, bekommt nun auch den kompletten literarischen Ausfluss verabreicht.

 

Eigentlich sind wir ja schon mittendrin im Spielgeschehen. Die Geschichte ist sogar schon zu Ende erzählt. Hast du gar nicht mitbekommen, was? Pah…da kenne ich noch mindestens zwölf weitere, die ebenfalls nicht gerafft haben, wie ihnen gerade geschieht…

Handballsprachlich übersetzt liest sich die Chronologie dann wie folgt:

 

Multiple-Choice-Angriff: Schwierigkeitsgrad = 0 -> jede Antwort ist richtig…

 

Bis der HSV mal endlich in Erfahrung bringen konnte, wo genau sich das Tor der Gastgeber befand, hatte sich der Gegner bereits einen leichten Vorsprung herausgeworfen. Zur Verteidigung unserer Jungs aus Hagenow muss man sagen, dass sie anfänglich eher selten die Gelegenheit hatten, die Richtung auszuloten. Zu oft ging hier der Ball aus technischen Mängeln bereits in der Angriffsvorbereitung verloren. Defizite im Bewegungsablauf taten ihr Übriges. Dem wollte man auch in Sachen Defensive in nichts nachstehen. Die hagenower Abwehr fand kaum Zugriff auf den doberaner Rückraum. Also konzentrierte man sich erstmal auf die korrekte Ausführung des Wiederanwurfes. Das klappte schon ganz gut. Zumindest im mittleren Spielfelddrittel wies der HSV so deutliche Vorteile im Ballbesitz auf.

 

Beim Stand von 10:5 nach 15 Minuten vollzogen die Gäste erstmals einen Torhüterwechsel, was nur einen minimalen Effekt nach sich zog. Denn auch weiterhin durfte der DSV nahezu unbedrängt auf das hagenower Tor werfen. Immerhin die gegnerischen Außenspieler hatte der HSV im Griff. Von hier ging kaum Gefahr aus, sodass die Gastgeber ihr Hauptaugenmerk auf den Rückraumangriff legten, was ja ohnehin ganz gut funktionierte. Ebenfalls problemlos klappte das Zusammenspiel mit den Kreisläufern, die der HSV zu keiner Zeit zu verteidigen wusste. So sahen die Zuschauer den doberaner Angriff nach den immer wieder gleichen Schemata ablaufen:

 

a) freier Wurf aus dem Rückraum

b) Konter

c) Spiel über den Kreis

d) Siebenmeter

 

Allzuviel Mühe brauchten die Gastgeber jedenfalls nicht aufwenden, um das Tor zu treffen.

Nach ca. 20 Minuten lief das Spiel auch in den hagenower Reihen deutlich flüssiger. Weniger Ballverluste bei besser herausgespielten Torchancen prägten jetzt das Angriffsbild des HSV. Dabei blieb man von allen Positionen brandgefährlich. Der konstante 6-Tore-Rückstand konnte so immerhin bis zur Halbzeit auf 19:15 reduziert werden.

 

Der HSV gibt sich in (Problem-)Behandlung. Termin noch offen…

 

Nach dem bisherigen Spielverlauf gab es auf Seiten des Hagenower SV eigentlich nur zwei entscheidende Probleme anzusprechen. Zum einen war da natürlich das körperlose Abwehrverhalten. Aufmerksame Trainingsgäste werden bemerkt haben, dass sich Trainer Tügel mit seinem Defensivtraining eine ganz und gar andere Reaktion auf der Platte erwünscht hatte, als nun in Bad Doberan dargeboten. Man hätte fast meinen können, der HSV hätte Angst vor Körperkontakt gehabt. Das zweite Manko war das zähe Angriffsspiel. Da wird beispielsweise permanent versucht, über die Kreisposition zu spielen, weil hier die ersten drei Angriffe noch Tore geworfen werden konnten. Klappte beim siebten Mal aber nicht mehr ganz so gut… Und auch beim HSV waren die Außenpositionen überwiegend nur eine bessere Durchspielstation. Hier wurde viel Potenzial verschenkt.

 

Nach Wiederanpfiff erkämpfte sich der HSV in Unterzahl erstmal den Ball, um erneut zu verkürzen. Im Angriff lief auch weiterhin alles wie gehabt. Im Abschluss fehlte wieder einmal etwas die Präzision. Das wäre allerdings noch zu verschmerzen gewesen, wenn die Gäste nicht auch in Halbzeit zwei das Verteidigen nahezu eingestellt hätten. Nach wie vor kamen die Hausherren zu freien Würfen, weil sich die Hagenower zu schade waren, sich dem Gegner in den Weg zu stellen. Vielleicht fürchtete man sich ja vor drohenden Zeitstrafen. Wer weiß. So jedenfalls wurden gut und gerne mal drei Verteidiger überlaufen, ohne auch nur ein bisschen Gegenwehr zu spüren. Im Gegenteil, man machte den gegnerischen Angreifern sogar noch Platz. Als würde das noch nicht ausreichen, bewies der HSV in der Rückwärtsbewegung genauso viel Ehrgeiz, wie im Eins-gegen-Eins. Oftmals trabte man noch gemütlich nach hinten, während der DSV im Rücken schon den ersten Kreuz am Neuner anzog…

 

Stürmerfoul an die hagenower Kampfmoral

 

Tja, und dann will man plötzlich ein doberaner Stürmerfoul gesehen haben. Stattdessen gab es zwei Minuten gegen den HSV und Siebenmeter für die Gastgeber. Das musste nochmal schnell ausdiskutiert werden. Auf Kosten einer weiteren zwei Minutenstrafe. Für viele soll hier der Knackpunkt gelegen haben. Die hieraus resultierende vierminütige Unterzahl beim Stande von 26:20 schien ein erneutes Aufbäumen unmöglich zu machen.

 

So überflüssig diese Aktion auch war - die hagenower Bank war sich einig, dass hier kein Offensivfoul stattfand - Grund zum Köpfe hängen lassen gab es in den letzten 15 Minuten eigentlich nicht. Aber vielleicht erkannten die Jungs des Hagenower SV auch einfach, dass die heutige Defensivleistung - selbst bei doppelter Überzahl - Dreck aus der Hölle darstellte und so kein erfolgreiches Spiel zustande kommen konnte. Zumal man eine so miese Abwehrarbeit wenigstens mit schneller Mitte kompensieren könnte. Aber auch die findet beim HSV schon seit Jahren nicht mehr statt. Die älteren unter euch werden sich vielleicht noch vage erinnern können, dass die zweite Welle tatsächlich mal ein erfolgreiches Stilmittel des hagenower Handballs darstellte. Irgendwie zumindest. Nases Meinung interessierte da noch niemanden. Doch massenkompatibles Internet gab es seinerzeit schon. Ein grob pixeliges Video wird bestimmt noch irgendwo in den Tiefen des World Wide Web zu finden sein. Viel Spaß beim suchen…

 

Die letzten zehn Minuten dümpelten so vor sich hin. Mit der Aussicht, die 40-Tore-Marke zu knacken, vergaß der DSV dann auch endlich mal das Verteidigen. Anders sind die restlichen 9 hagenower Tore bis zum Schlusspfiff trotz Lustlosigkeit nur schwer nachvollziehbar. Es wehte also doch nochmal ein leichter Hauch von Gastfreundschaft durch die Sporthalle. Einen kleinen Erfolg feierte der HSV dann auch noch: Beim Stand von 39:29 wurde die Begegnung abgepfiffen. Naja, die Männer des DSV werden deshalb wohl kaum eine schlaflose Nacht verbracht haben. Im Rückspiel bietet sich schließlich die nächste Gelegenheit...

 

Nach dem Spiel gab sich Trainer Tügel immerhin mit dem Angriffsspiel der ersten 45 Minuten zufrieden. Irgendetwas Positives muss man ja aus dieser Partie herausziehen. Angesichts des bevorstehenden Heimspiels gegen die TSG Wittenburg wird der HSV jedenfalls in allen Mannschaftsteilen eine Steigerung erfahren müssen. Vor allem was das Defensivverhalten angeht. Die Kollegen der TSG sind mit Sicherheit heiß auf dieses Spiel. Ist ja schließlich Derby…

 

Bananas in Pyjamas: Braun – J. Tügel, Brink, Patzner, Pötzsch, R. Thiel, M. Thiel, Pätzold, Fietkau, Koch, Bargende, Rinke 

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Kommentare: 1
  • #1

    Torsten Römer (Samstag, 25 Februar 2017 10:01)

    Hier wird Gastfreundschaft noch klein geschrieben

    Am Samstag ging es auf Auswärtsfahrt nach Bad Doberan. Die zweite Vertretung des ortsansässigen SV präsentierte sich durchweg als ganz schlechter Gastgeber. Die wärmende Bohnenbrühe und die kühlende Pilssuppe waren entweder von der Tanke oder nebenan vom Marken-Discount abzuholen. Nun gut, als Gastmannschaften konnten zwar lediglich die B-Jugend-Mädchen des TSV Bützow und eben die Herren des Hagenower SV aufgeboten werden. Doch setzt man sich mal mit dem immer freundlichen Verköstigungsteam der Rostocker Sporthalle Gerüstbauerring in Verbindung, wüsste man vielleicht, welch Geldsegen einem tatsächlich durch die Lappen gehen könnte. Aber wer weiß, wessen Großtante fünften Grades gerade ihren 72. zu feiern hatte. Vielleicht erwartet man Abseits des glorreichen Oberligahandballs ja auch absolut rein gar nichts von seinen Nachwuchsmannschaften und spart sich lieber den Aufwand. Kann man mal machen…

    Wer die Gegebenheiten rund um die Kantine in der Doberaner SPH nicht kennt, sollte nicht so ein negativen Beitrag verfassen !

    Schönen Gruß aus Doberan
    Torsten Römer
    Abteilungsleiter Handball