Hallo Leute,

 

hat mal jemand noch irgendwo den Erfahrungsbericht von der Schmach zu Bützow parat? Nicht? Schade.

 

Dachte man anno dazumal noch, dass die Begegnung seinerzeit nur ein Ausrutscher gewesen sein soll, wurde am letzten Wochenende ein weiteres, unrühmliches Kapitel in die Annalen des Hagenower Handballs aufgenommen. Die heimische Otto-Ibs-Halle war nur spärlich gefüllt. Das angenehme Wetter wurde offensichtlich lieber nochmal für einen gemütlichen Spaziergang am Hundestrand genutzt. Keine Aufregung. Nochmal entspannen. Morgen müssen wieder alle zur Arbeit. Sonntag ist schließlich Ruhetag. Womit wir dann auch endgültig die passende Überleitung zum Verbandsliga-Spiel gegen die HSG Uni Rostock gefunden hätten.

 

Sonntag ist Ruhetag

 

„Wir müssen doch morgen wieder alle zur Arbeit“, ist wohl einer der beliebtesten Sprüche im Amateursport. „Bloß nicht wehtun“, schien auch die Devise bei den Handballern vom Hagenower SV zu lauten.

Die Gäste reisten mit einigen neuen Gesichtern in den Reihen an. Rostock scheint unter den Handballern ein beliebtes Ziel für´s Studium zu sein… Studiert wurde auch das Spiel des HSV. Naja, nun gut, soviel bedarf es dann auch nicht an Studium. Das Hagenower Angriffsspiel nach Schema F scheint bei den Gegnern schon eingeprägter zu sein, als beim HSV selbst. Also sollten in der Saisonvorbereitung neue (einfachere) Wege einstudiert werden. Bei einer Trainingsbeteiligung von selten mehr als 6 Spielern ein kühnes Unterfangen. So konnte dann auch kaum unter Wettkampfbedingungen trainiert werden. Bemühen Verantwortliche und Spieler dann leider nur spärlich ihre Kontakte, um mal ein paar Testspiele auf die Beine zu stellen, geht man halt genauso (un)vorbereitet in die Saison, wie in den Jahren zuvor. Mit ein wenig Phantasie und Einfallsreichtum kann man sich die nötige Spielpraxis halt genauso gut zu Hause an der Playstation einholen.

Was war also vom ersten Spieltag und dem HSV im Speziellen zu erwarten? Wer die Einleitung aufmerksam gelesen hat, ahnt es schon…

Bei einigen Hagenower Akteuren waren die Hosen schon vor Spielbeginn im wahrsten Sinne des Wortes gestrichen voll. Während wiederum andere die Chancen ihrer Mannschaft bereits vor dem Anpfiff realistisch einzuschätzen wussten.

 

Darmstädter Psychospielchen

 

Beide Mannschaften brauchten ein paar Minuten, um in ihr Spiel - oder besser gesagt, ihre Rollen - zu finden. Da waren auf einer Seite die Gäste, die, gewohnt kompakt im Deckungszentrum, wenig Möglichkeiten für ein Spiel über die Kreispositionen boten. Für das Spiel über die Außen war dementsprechend ausreichend Platz, was vom HSV auch tatsächlich erkannt wurde. Ja gut ähm…leider war es nur Spielmacher Tügel, der zu entsprechenden Anspielen in der Lage war. Blöd. Der HSV kam aber trotzdem zu seinen Möglichkeiten über die Außen, traf jedoch nur überschaubar das Ziel. Also wenn man davon ausgeht, dass das gegnerische Tor das Ziel sein sollte… Tragisch. Diese Tragödie zog sich dann leider bis zum Pausenpfiff durch die komplette erste Halbzeit. Der Hagenower Rückraum fand hingegen überhaupt kein Mittel, in angemessene Wurfpositionen zu gelangen.

Die Abwehr des HSV stand dagegen gewohnt sicher, zumindest im Mittelblock. Auf den Außenpositionen gewährten die Gastgeber den Rostockern zu oft freies Geleit. Die Stellungsfehler konnten leider erst spät minimiert werden. Da darf man froh sein, dass Torhüter Braun einen ziemlich guten Tag erwischt hat. Das Fax aus Darmstadt schien gerade noch rechtzeitig seinen Adressaten erreicht zu haben. Was da wohl drinstand…?

Bei den zahlreichen Fehlversuchen des HSV dürfen dann natürlich auch die obligatorischen Gegenstöße der Gäste nicht fehlen. Einige davon konnten auf Kosten einiger Siebenmeterentscheidungen unterbunden werden.

Tja, keine Ahnung, viel mehr fällt mir zu dieser desolaten ersten Halbzeit nicht mehr ein. Den Zwischenstand würde ich euch eigentlich lieber vorenthalten. Waren es bei der eingangs erwähnten Schmach von Bützow ganze zwei Tore zur Halbzeit, konnte der HSV diesmal immerhin verdoppeln.

 

!!! Achtung Spoiler !!!

 

Das Wort Schmach soll(te) allerdings auch nach dem Spiel noch in den Ohren klingen. Soviel vorweg.

 

!!! Spoiler Ende !!!

 

Halbzeitstand also 4:13 aus Sicht derer, die es (noch) gut mit dem Hagenower SV meinen.

 

Die Halbzeitbesprechung verlief dann entsprechend humorlos, aber immerhin unaufgeregt. Das Manko in der Hagenower Offensive war schließlich eindeutig zu erkennen. Ohne Bewegung im Angriffsspiel war der Rostocker Deckung, die mittlerweile auf bis zu neun Meter vorgerückt war, kaum beizukommen. Weder wurde ausreichend Druck erzeugt, noch ohne Ball in die Schnittstellen eingelaufen, um torgefährliche Anspielstationen darzustellen. Der HSV trat dem vollkommen ideenlos entgegen, so schien es. Mit der Abwehrarbeit hingegen war man soweit zufrieden.

 

Die Geschichte von Reineke und Kratzefuß

 

Die zweite Halbzeit verlief zwar erfolgreicher, aber nicht weniger katastrophal. Es blieb dabei: In der Defensive und insbesondere auf der Torhüterposition war dem HSV nichts vorzuwerfen. Doch die Angriffe des HSV waren alles andere als zum Niederknien. Kombinationen waren Mangelware. Bei der offensiven Abwehr der Rostocker ließen die Hausherren wenigstens ab und an noch ein wenig Schlitzohrigkeit aufblitzen, indem die Lücken vor dem Sechser durch einlaufende Außen genutzt wurden. Das war es dann aber auch schon wieder. Im Eins-gegen-Eins zeigte der HSV zu viel Respekt, war daher deutlich unterlegen. Die Gäste aus der Hansestadt brauchten ihren Vorsprung nur noch verwalten. Ab und an trafen sie mal das Ziel, ohne dabei großartig zu glänzen. Allein, für den HSV langte dies bereits aus. Routiniert spielten die Rostocker ihren Stiefel herunter, während auf Seiten der Hagenower kaum mehr Wille und Kampfbereitschaft zu erkennen waren. So ergaben sie sich schließlich ihrem Schicksal. Auch, weil die bösen Schiedsrichter wieder nicht so pfeifen mochten, wie es der HSV gerne gehabt hätte…

Knapp 5 Minuten vor Spielende schien der Hagenower Rückraum dann auch endlich mal seine Aufgabenstellung erkannt zu haben. Leider viel zu spät. „Wie dämlich“ mag man da meinen.

 

Wo wir dann bei der Auflösung zur besagten Rollenverteilung wären. Die Rostocker agierten über das gesamte Spiel hinweg clever und agil; stellten sich insbesondere in der Deckung - listig wie ein Fuchs - der Situation entsprechend auf den Gegner ein. Der HSV glich hingegen einem Hühnerhaufen. In der Deckung, als Verbund, ein guter Zusammenhalt. Im Angriff zunehmend bei seinen Einzelaktionen hilflos und allein auf weiter Flur, dem Gegner gnadenlos ausgeliefert. Es heißt ja, dass Hühner auch ohne Kopf noch ewig weiterrennen würden. Ähnlich kopflos irrte der HSV an diesem Tag durch die Halle. Die zwei Punkte für den Sieg waren eben eine leichte Beute für die HSG.

 

Wer nach diesem 14:24 noch zufrieden nach Hause ging, sollte sich womöglich nochmal in seiner Wahl der bevorzugten Freizeitaktivität hinterfragen.

 

An folgenden Schrauben im HSV-Gestänge müsste nochmal etwas nachgezogen werden:

Braun – J. Tügel, Brink, Pötzsch, R. Thiel, M. Thiel, N. Tügel, Pätzold, Fietkau, Bargende, Rinke, Schluck

 

Wer ist eigentlich diese „Hoffnung“

 

Nun gilt wieder dieses unsägliche Sprichwort: „Mundabputzen, weitermachen“

Nur hoffentlich nicht dort, wo der HSV zuletzt aufgehört hat. Am kommenden Samstag schon gilt es, beim SV Crivitz Wiedergutmachung zu betreiben.

Da schüttele ich mir doch glatt noch ein weiteres miefiges Sprichwort aus den Socken und bediene von mir aus auch das olle fette Phrasenschwein: „Die Hoffnung stirbt nunmal zuletzt“

Marius Müller-Westernhagen sang einst in seinem Lied von dieser „Hoffnung“, ich glaube, sie hieß Ariane mit Vornamen:

 

„Ich wusste nichts von ihr

Sie sagte nur, bleib hier

Und ich verlor das Spiel

Noch ehe es begann

Sie schlich sich an mich ran

Als sie mich wehrlos fand…“

 

Ächz…würg…bää….

 

MfG

Nase

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