Pokal 2. Runde 2015/2016 / SV Aufbau Sternberg - Hagenower SV / 22:27


Die Lokomotive nimmt fahrt auf. Alle einsteigen bitte!!! Niemand wird sie mehr aufhalten können. Im Pokal werden die Gegner überrollt. So wird auch die Liga bald ihr blaues Wunder erleben. Auf dem Weg an die Tabellenspitze: der Hagenower SV.

 

Wie souverän der unterklassige SV Aufbau Sternberg in eigener Halle beim Pokalspiel zermalmt wurde, so euphorisch geht der HSV auch ins anstehende Derby am kommenden Wochenende gegen die TSG Wittenburg ins Rennen. Nun soll man ja nicht jeden Sieg gleich wieder kaputtreden. Aufmerksame Leser dieser Kolumne wissen vielleicht, wie schwer mir das fällt.

 

Als besonderes Schmankerl hat sich der HSV in dieser Saison die „Happy-Birthday-Wochen“ ausgedacht. Jeder, der Lust hat, darf sich den Hagenower SV zu seiner Geburtstagsparty in die eigenen vier Wände oder den Partykeller oder die zum Zappelbunker ausgebaute Garage oder sonst wohin bestellen. Man erhofft sich so den ersehnten Zuwachs auf den Zuschauerrängen. Dabei sollten sich Interessenten sputen. Schon für das anstehende Wochenende ist der HSV restlos ausgebucht. Anfragen bitte an feiernstatthandball@gmx.net

 

Trainer Tügel musste leider aus beruflichen Gründen passen. Also übernahm Co-Trainer in spe Rene Patzner die Verantwortung. Ein paar Haudegen hatten glücklicherweise auch noch Bock auf Handball. Endlich mal wieder Sternberg. Was wurden hier zu Kreisligazeiten für Schlachten geschlagen. Mittlerweile sind sowohl der SV Aufbau als auch der HSV nur noch Schatten längst vergangener Tage. Ein schönes Gefühl war es trotzdem. Diese urige Halle. Das unebene, sanierungsbedürftige Parkett. Da freut sich auch der Chiropraktiker. Das Publikum hautnah am Spielgeschehen. Ein wahrer Genuss für Handballromantiker.

 

Bei den Gastgebern scheint die Personaldichte noch überschaubarer zu sein, als bei den Hagenowern. 8 Sternberger sahen sich derer 12 vom HSV gegenüber. Mit dem Quäntchen mehr an Athletik war die Marschroute klar definiert. Aus einer kompakten Abwehr heraus sollte ein schnelles Umschaltspiel aufgezogen werden. Die Sternberger praktizierten eine frei definierte 1-5-Deckung. Der sich bietende Raum sollte vor allem für Tore von der Kreisposition und den Außen sorgen. Hierzu musste der Rückraum natürlich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Trainer Tügel antizipierte hervorragend für das Abschlusstraining am Freitag. Sämtliche Übungen für Offensive als auch Defensive schienen perfekt für die Begegnung ausgerichtet gewesen zu sein. Nur…was nützt es, vor, während und nach dem Spiel den Leuten verbal oder praxisnah Aufgaben mit auf den Weg zu geben, wenn die ausführenden Personen nicht in der Lage sind, auch nur ansatzweise zu verstehen, was man von ihnen will?

 

Die hagenower Abwehr funktionierte in Halbzeit eins ganz vernünftig. Das Spiel konnte genutzt werden, um den Ergänzungsspielern endlich ausreichende Wettkampfpraxis zu bieten. Dass da Fehler gemacht werden, bleibt selbstverständlich nicht aus. So kamen die Gastgeber auch mal zu einfachen Würfen. An Torwart Struck bissen sich die Aufbau-Jungs allerdings die Zähne aus. Wer jetzt dachte, der HSV würde seinen Gegner überrennen, sieht sich leider getäuscht. Denn in den Hagenower Reihen sah man sich gar nicht gezwungen zum Kontern anzusetzen. Stattdessen spielte man sich den Ball erstmal in Ruhe am eigenen Sechser über mehrere Stationen zu. Der Laie hätte fast meinen können, der HSV warte ab, bis sich der Gegner in der Deckung geordnet hat, um zum Angriff anzusetzen. Das ist Fair-Play 2015. Einzelne Nadelstiche wurden zwar von Brink und Dietze gesetzt. In der Endabrechnung zeigte der HSV in Sachen Gegenstoß aber viel zu wenig. Unverständlich, warum permanent in den Trainingsspielen förmlich „Hasenjagden“ veranstaltet werden und am Wettkampftag plötzlich der Zug zum Tor völlig verloren zu gehen scheint.

 

Also geriet der HSV viel zu oft in Verlegenheit, sich dem Sternberger Abwehrblock zu stellen. Dieser machte seine Arbeit ziemlich gut. Im Spiel eins gegen eins hatten die Gäste so ihre Probleme. Dennoch standen die Räume für die Kreisläufer und Außenangreifer offen. Leider wurden hier zunächst zu viele Bälle liegen gelassen. Ebenso aus dem Rückraum. War das Sternberger Torwartspiel - zumindest aus Zuschauersicht - doch recht durchschaubar, hatten die hagenower Distanzschützen deutlich Mühe, den Ball im Tor unterzubringen.

 

So ging das dann eine halbe Stunde lang. Einziges Highlight bot daher auch das Kampfgericht, das den HSV wegen angeblich falschen Wechselns zurückpfiff. Naja, ein Umstand, der letztendlich nicht schwer wiegt und durchaus zu entschuldigen ist. Bedenkt man, dass die Nase selbst zu aktiven Kampfrichterzeiten (also vor einem gefühlten Jahrhundert) schon mal mit jenem rastlosen Sportsfreund zusammenarbeiten durfte, welcher seinerzeit mit Sicherheit schon Abonnent der Apotheken-Rundschau war…

 

Beim Stand von 16:7 aus Sicht des Hagenower SV ging es zum Halbzeit(an)schiss.

 

Es waren sich alle einig: Die Defensivarbeit war bisher für heutige Verhältnisse gut. Natürlich konnte man mit der Chancenverwertung einfach nicht zufrieden sein. Größtes Manko war aber das Umschaltspiel. Ob „schnelle Mitte“ oder die „zweite Welle“, der HSV kam einfach nicht aus dem Arsch. Offensichtlich kennen einige Akteure des HSV eine unterschiedliche Definition in Sachen Tempo. Denn außer verdutzten Gesichtern erntet man da recht wenig, wenn man die Spieler mal vorantreibt. Wird man 30 Minuten lang nicht müde, seine Spieler darauf aufmerksam zu machen, läuft man speziell beim HSV irgendwann Gefahr, die Nerven zu verlieren. Da heißt es dann: „Nächste Station Klappsmühle.“ Da wird man doch bekloppt. Die in Anzahl stark dezimierten Gastgeber aus Sternberg freuten sich hingegen, dass sie nicht allzu oft über das Feld gescheucht wurden. Da kam die Pause, um für die zweite Halbzeit Kraft zu tanken, wohl gerade recht.

 

Der zweite Durchgang verlief alles andere als befriedigend für die Handballer aus Hagenow. In der Deckung wurde nur noch selten beherzt zugepackt. Naja, was soll man auch erwarten, wenn die halbe Mannschaft Angst vor Zeitstrafen hat und statt wenigstens standhaft zu bleiben, sogar selbst Lücken aufreißt und dem Gegner freie Bahn gewährt. Sternberg nahm diese Geschenke natürlich dankend an. Diese Tore gaben dem Gastgeber, der sich ohnehin zu keiner Zeit aufgab, nochmal Auftrieb. Der Hagenower Rückraum war nun gänzlich abgemeldet. Gegenüber der geschlossenen Abwehr des SV Aufbau präsentierte sich das hagenower Angriffsspiel vollkommen ideenlos. Immerhin schalteten Fietkau am Kreis und vor allem Thiel auf Linksaußen noch mit, sodass der HSV einem endgültigen Desaster entging. Mit seinen zehn Toren hielt Thiel seine Sieben fast im Alleingang in Front. Angesichts seiner dennoch schwachen Torwurfquote lässt sich nur erahnen, was theoretisch noch drin gewesen wäre. Die rechte hagenower Angriffsseite blieb indessen tot, während sich das ausrechenbare Geschehen hauptsächlich auf links abspielte. So kamen die aufopferungsvoll kämpfenden Sternberger bis auf zwei Tore heran.

 

Denn auch in Halbzeit zwei bemühte sich der HSV nicht zu einem Konterspiel. Hab ich vorhin noch gesagt, „da wird man doch bekloppt“? Geschwindigkeit und Hagenower SV, das sind zwei Komponenten, die nicht zusammenpassen. Das ist beinahe schon erbärmlich. Auch, weil Dietze keine Einsatzzeit mehr erhielt, waren Tempogegenstöße wahre Raritäten im hagenower Spiel. Obwohl auch hier wieder eine dreißigminütige Dauerbeschallung von der Bank auf die lahmenden Hagenower niederging. Alles Beten und Betteln um ein schnelles Umkehrspiel half auch hier nichts. „Hallo? Ist da Ochsenzoll? Wir bringen gleich mal jemanden vorbei…“

 

Letzten Endes setzte sich die abgezocktere Mannschaft durch. Während die Hausherren mit einigen schmeichelhaften Schiedsrichterentscheidungen und ihren schwindenden Kraftreserven haderten, spielte der HSV seinen unrühmlichen Stiefel herunter.

 

Nichts desto trotz geht das 27 : 22 in Ordnung. Obwohl die Jungs vom SV Aufbau Sternberg die kämpferisch und spielerisch ansprechendere Vorstellung boten, war der HSV in allen spielentscheidenden Bereichen überlegen. Und das ist nun mal das Werfen und Verhindern von Toren. Der HSV hat sich dabei wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

 

Wer jetzt glaubt, das könnte die Wende im bisher unbefriedigenden Saisonverlauf bedeuten, darf am Sonntag, den 01.11.2015 gegen die TSG Wittenburg gerne den nächsten Sieg bejubeln. Die weniger Realitätsfremden unter uns gehen da schon etwas reservierter in den Ligaalltag über. Gegen die TSG wird sich der HSV steigern müssen. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

 

Der kommende Gegner hat übrigens mit dem Sieg über den MV-Ligisten SG Parchim/Matzlow-Garwitz einen überraschenden Achtungserfolg erzielt. Der HSV sollte gewarnt sein. Die TSG Wittenburg läuft aktuell mit der breiteren Brust durch die Mecklenburger Handballwelt. Das ist mal klar.

 

Den Einzug in die 3. Pokalrunde ermöglichten:

Struck, Braun – Brink, Burmeister, R. Thiel, M. Thiel, Pätzold, Fietkau, Koch, Rothgänger, Bargende, Dietze

Kommentar schreiben

Kommentare: 0