6. Spieltag 2015/2016 / Hagenower SV – Plauer SV / 24:35

An jedem verdammten Sonntag. In der Filmindustrie ein wahrer Leckerbissen. Ganz und gar nicht zu empfehlen: Herrenhandball à la Hagenower SV.

 

So heißt es dann auch in Hagenow für den geneigten Zuschauer: „An jedem verdammten Sonntag…dieselbe olle Grütze.“

Zunächst jedoch durfte der hagenower Nachwuchs Elternherzen und -gesichter strahlen lassen und das, naja, durchwachsene Vorprogramm darstellen.

Den Anfang machte die E-Jugend gegen den Plauer SV II. Die kleinsten zeigten sehr gute Ansätze sowohl in Angriff als auch in der Abwehr. Besonders die Spieler aus der zweiten Reihe konnten sich diesmal hervorheben und Akzente setzen. Mit dem 19:10 wurde der zweite Saisonsieg eingefahren.

Die zweite Partie bildete die weibliche C-Jugend gegen den TSV Bützow. Von Beginn an war der Respekt gegenüber den Gegnerinnen deutlich zu spüren. Die Gäste wurden kaum an ihren Aktionen gehindert, während im Angriff der Ball viel zu früh abgeschenkt wurde. Hinzu kamen krasse technische Mängel. Mit dem 2:44 war man sogar noch bestens bedient.

Die männliche Jugend C hatte sich gegen ihren Gegner aus Plau deutlich mehr vorgenommen, als am Ende heraussprang. Hielt der HSV in den Anfangsminuten noch gut mit, ließen die Gastgeber das Zusammenspiel im weiteren Verlauf vermissen. Auch hier ging der Ball viel zu früh in den gegnerischen Reihen verloren. Die Außenpositionen wurden kaum mit Bällen gefüttert. Aus dem Rückraum fehlte gegen den älteren Jahrgang die Durchschlagskraft. Die Plauer Mannschaft hatte im eins gegen eins so seine Schwierigkeiten mit der aggressiven hagenower Deckung und setzte daher auf Konter. Gelegenheiten boten sich zu Hauf. Am Ende hieß es 11:28 für die Gäste.

Bevor es zum Highlight des Tages kam, durften sich einige Jungs der B-Jugend schon mal für höhere Aufgaben beweisen. Gegen die überforderten Gäste vom SV Aufbau Sternberg setzte man sich glanzlos mit 38:13 durch. Zu einer größeren Erkenntnis komme ich nach diesem Spiel nicht.

Mehr Gesprächsbedarf bietet da schon der Auftritt der Herrenmannschaft.

Diesmal waren die Sportfreunde vom Plauer SV zu Gast. Ein unangenehm zu bespielender Gegner, den es immerhin in eigener Halle zu schlagen galt. Also war man zwar gespannt, was einen wohl erwarten würde, auf jeden Fall aber auch voll motiviert. Der Sieg bei der SG Crivitz-Banzkow in der Vorwoche wurde nicht zu hoch eingestuft. Sorgte der Sieg zwar für zusätzliches Selbstbewusstsein, war klar, dass es weiterhin einer Leistungssteigerung bedurfte, um auch diesmal das Spiel für sich zu entscheiden.

Das Schiedsirichtergespann aus Neubrandenburg ließ sich entschuldigen. Die Partie konnte nur mit einem Unparteiischen angepfiffen werden. Der Partner fiel der kalten Jahreszeit zum Opfer. Vorab kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Otto-Ibs-Halle in Hagenow seit Ewigkeiten keine so starke Schiedsrichterleistung mehr erlebt hat. Mit klarem und solidem Auftreten wurden Diskussionen, sofern es Gesprächsbedarf gab, bereits im Keim erstickt, ohne überheblich zu wirken. Fehlentscheidungen, zumindest aus Sicht des HSV: Fehlanzeige. So macht Handball tatsächlich auch mal wieder Spaß. Was? Achso. Ja gut, da hätte ich fast etwas vergessen. Da war ja auch noch ein gewisser Wettbewerbsgedanke. Dann macht das alles auf einmal doch so gar keinen Spaß mehr. Was aber nicht an den Schiedsrichterleistungen liegen mag, sondern einzig und allein am Hagenower SV selbst.

Bis zum 3:3 war die Partie noch ausgeglichen. Beide Mannschaften beschnupperten sich; der HSV markierte die Führung und Plau legte nach. Dann präsentierte sich der HSV auf einmal völlig von der Rolle. Eklatante Fang- und Passfehler prägten das Bild. Die Würfe: unvorbereitet und viel zu früh abgesetzt. Kombinationen: gar nicht mehr vorhanden. Die Gäste bedankten sich freundlich mit einem Konterlauf nach dem anderen. In der Abwehr selbst offenbarte der HSV vor allem im Mittelblock eine ungewohnte Schwachstelle. Torhüter Struck verhinderte immerhin noch Schlimmeres. Nach einem neuerlichen plauer Gegenstoßerfolg zum 3:6 zeigten die Gastgeber kaum noch Kampfbereitschaft. Da waren allerdings gerade mal 10 Minuten gespielt. Kein Aufbäumen. Keine Körpersprache. Nur fragende Gesichter. Eine hagenower Mannschaft, die nur mit sich selbst, oder besser, mit seinen Mitspielern haderte. Es schien fast so, als hätten sich die Hausherren (trifft dieser Begriff überhaupt noch auf unseren HSV zu?) bereits aufgegeben. Im Angriff war kaum Bewegung im Spiel. Rothgänger auf Rückraum Mitte war so gut wie auf sich allein gestellt, wurde immerhin noch vom linken Rückraum, Tim Koch, unterstützt. Dieser erhielt während der gesamten Partie kaum Entlastung. Die Achse Rothgänger-Koch war die einzige funktionierende Einheit auf dem Feld. Ein leichtes, für den gegnerischen Abwehrverbund, dies zu verteidigen. Von der rechten Angriffsseite, sei es über Außen oder im Rückraum, ging kaum Gefahr, ja nicht einmal Bewegung aus. Standhandball ist da noch untertrieben. Oft diente man sich selbst nur als Durchspielstation an. Druck auf die gegnerische Abwehr? Wozu? Da wundert man sich tatsächlich noch, dass der Ball kaum noch über rechts gespielt wird?

Ohne Unterstützung hatte Rothgänger gut zu tun, überhaupt etwas mit dem Ball anzufangen. So war ein Alleingang oft nur noch die letzte Wahl und letztendlich sogar die beste. Auch heute glänzte er wieder mit seiner überragenden Übersicht. Biss sich der Rückraum mit Gewaltwürfen am gegnerischen Block die Zähne aus, legte Rothgänger die Bälle überlegt an der Abwehr vorbei ins plauer Tor. Immerhin sein Spiel ließ heute keine Fragen offen. Die müssen sich seine Mitspieler stellen lassen.

Eine Umstellung in der Abwehr brachte etwas mehr Sicherheit in der Defensive. Offensiv schöpfte der HSV daraus nur mäßigen Erfolg. Technische Fehler blieben auch weiter an der Tagesordnung. Schluck und Pötzsch fassten sich jetzt auf Rechts ein Herz, konnten aber leider auch nicht viel zur Ergebniskosmetik beitragen. Viel zu wenig Bewegung im hagenower Angriffsspiel, als dass die plauer Deckung hätte aufgerissen werden können.

In die Halbzeitpause ging es mit einem 11:17-Rückstand und einem ziemlich angefressenen Trainerteam.

Dementsprechend emotional fiel dann auch die Halbzeitpredigt aus. Gut, jetzt könnte man sagen: ja, jeder weiß selbst, welche Fehler er gemacht hat. Warum aber ist er dann nicht in der Lage, diese für den weiteren Spielverlauf abzustellen? Schon das Auftreten in der ersten Halbzeit ließ für den Ausgang der Begegnung nichts Gutes erahnen. Eine deutliche Steigerung des Kampfgeistes war vonnöten, um das Spiel noch in eine glücklichere Richtung zu lenken. Denn der Plauer SV war beileibe nicht die Übermannschaft, wie es das Zwischenergebnis vermuten lässt.

Die deutlichen Worte schienen zunächst Wirkung zu zeigen. Alle Mannschaftsteile agierten aufmerksam. Allein die Tore blieben Mangelware. Dabei stellte sich auch in der zweiten Halbzeit die rechte hagenower Angriffsseite nicht gerade als Gefahrenzone heraus. Haben die Männer vom PSV da überhaupt noch verteidigt? Hm. Bedingt durch die mangelhafte Konzentration der plauer Verteidiger - denn herausgespielt war hier rein gar nichts - kam der HSV tatsächlich noch zu einigen Abschlüssen über rechts, wovon lediglich der erste Saisontreffer von Pascal Heidtke kurz vor Toresschluss in Erinnerung blieb.

Für die letzten zehn Minuten wurde die Truppe nochmal ein wenig durchgemischt, das Spiel nicht nur auf dem Papier längst verloren. So schlichen sich dann weitere technische Fehler ein. So schnell konnte der HSV gar nicht gucken, wie der Ball wieder im eigenen Netz lag. Das hagenower Publikum hat da mittlerweile schon seine Unterstützung eingestellt. Will man den Zuschauern einen Vorwurf machen? Angesichts der miserablen Vorstellung darf man glücklich sein, wenn beim nächsten Heimspiel überhaupt noch jemand den Weg auf die Tribüne findet.

Beim Stand von 24:35 fand das Trauerspiel endlich ein Ende.

Das Problem im hagenower Spiel liegt klar auf der Hand und wurde am vergangenen Sonntag deutlicher denn je. Der HSV agiert einfach zu statisch. Rothgänger und Koch sind die einzigen gefahrausstrahlenden Spieler. So kommen die Gegner jedenfalls in keinerlei Bedrängnis. Will der HSV eine Chance auf weitere Saisonsiege haben, muss er vor allem auf der rechten Angriffsseite deutlich an spielerischem Vermögen zulegen, um die Aufmerksamkeit der gegnerischen Deckung auch auf sich zu ziehen. Allzweckwaffe Koch wird so jedenfalls kaum entlastet. Viel zu selten fügten sich die rechten Rückraumspieler ins Kombinationsspiel ein. Dann immerhin war der HSV auch erfolgreich. Man könnte fast meinen, die Spieler des HSV arbeiten eine Checkliste ab. Nach zehn Minuten gelten alle Punkte als erledigt. Dann heißt es nur noch: Feuer frei. Auf der Spielmacherposition ist man jedenfalls die ärmste Wurst. Keine Eigeninitiative bei den Nebenmännern. Man zieht sich förmlich aus der Verantwortung. Alles verlässt sich auf den Mittelmann. Das Angriffsspiel ist so jedenfalls viel zu ausrechenbar.

Tatsächlich verfügte der Auftritt des HSV sogar über positive Ansätze, wenn auch nicht ganz so viele.

So funktionierte das Spiel über die Kreispositionen ziemlich gut. Hätten die Jungs aus Hagenow doch nur Kapital daraus schlagen können.

Dietze auf Rechtsaußen agierte wieder als verlässlicher Flügelflitzer. Auch diesmal legten die Gastgeber viel zu selten den Schalter zum Gegenstoß um. Möglichkeiten hätte es dafür zu genüge gegeben. Zumal alle Versuche, so viele waren es leider nicht, im Tor des Plauer SV untergebracht werden konnten.

Vom Siebenmeterpunkt erzielte der HSV in Person von Spielmacher Rothgänger eine 100%ige Ausbeute.

Das Torhüterduo Struck/Braun bildete den gewohnt sicheren Rückhalt. Es hätte noch übler enden können.

Kommenden Samstag geht es dann nach Neukloster. Soll ich noch etwas dazu sagen? Ich wiederhole mich ja doch nur wieder.

Die die-Schmach-von-Hagenow-Aufstellung: Struck, Braun – Burmeister, Pötzsch, R. Thiel, M. Thiel, Pätzold, Fietkau, Koch, Rothgänger, Bargende, Schluck, Heidtke, Dietze

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