5. Spieltag 2015/2016 / SG Crivitz/Banzkow – Hagenower SV / 20:28

Hallo Sportsfreund. Hast du auch so gute Laune wie ich? Ich könnte Bäume ausreißen. Die Handballer des Hagenower SV leben wieder. Niemand wird sie mehr stoppen können!!!

„Is ja tüpüsch. In den schwärstn Stunden vom den HSV hört man kein Wort von ihn und kaum gewinnt Hagenow ma wider meldet sich der Friek wieder zum Wort!“

„War ja klah das die Nase jetz erst wieder was schreib. Wohl nix mehr eingefallen bei dem klatschen inden letzten Wochen wa?“

„Ging ihn wohl die Weißheit aus, oder warum gabs seid dem letzten Spielen nix zu sahgen?“

Herrlich. Solche entwaffnenden grammatikalischen Leckerbissen würde ich auch gerne mal auf unserer Homepage lesen können. Ist aber leider noch Wunschdenken. Dabei gibt der Kommentarbereich doch eigentlich ´ne Menge her. Und das alles ganz anonym.

Ja, tatsächlich hatte ich überhaupt keinen Bock, mich zu den letzten beiden Niederlagen zu äußern. Wer hätte das schon? Was soll man da auch schreiben? Schließlich trafen die Beiträge in den News den Punkt eigentlich ganz gut. Auch wenn man sich beim Lesen der verschwurbelten Texte an die wirren Buchstabenreihen vom Sehtest erinnert fühlt. Rücksprache mit ´nem Lektor täte da mal ganz gut. Doch die Rufe nach der ungeschönten Wahrheit wurden zuletzt immer lauter. Also komme ich heute extra für dich aus dem Exil gekrochen und gebe mal wieder meinen Senf zum jüngeren hagenower Handballgeschehen dazu.

 

Noch ein paar Worte zu den Spielen gegen die TSG Wittenburg und TSG Wismar?

Eigentlich ja überflüssig. In der Nachbetrachtung war die Niederlage gegen Wismar sogar noch vermeidbarer, als die gegen die vermeintlich schwächeren Wittenburger. Diese kamen mit einem ganzen Gefolge an Handballfanaten in die Otto-Ibs-Hölle, die ihre Mannschaft mit fortlaufender Spieldauer immer begeisterter voranpeitschten. Der HSV hingegen bekam mehr und mehr weichere Knie und im Angriff kaum noch etwas zu Rande. Zu ideen- und konzeptlos das Spiel.

So auch eine Woche später gegen den Tabellenführer aus Wismar. Die gute Abwehrarbeit machte man sich mit der schwachen Chancenverwertung zunichte. Später musste dem aufwendigen Spiel Tribut gezollt werden. Unkonzentriertheiten schlichen sich ein, wodurch der HSV immer wieder zu träge in der Abwehr agierte und beinahe die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl zu bestreiten hatte. Was wiederum an der Kondition nagte. Ein Teufelskreis also. So gab es auch im Angriff, außer ein paar beherzter Einzelaktionen, nicht mehr viel zu bestellen.

Am vergangenen Wochenende wartete die SG Crivitz-Banzkow auf den Hagenower SV. Das Tabellenschlusslicht verlor in der Vorwoche bei der HSG Uni Rostock mit 44:15, was sicherlich nochmal für zusätzlichen Druck auf den HSV sorgte. Bedeutete eine Niederlage doch nichts Geringeres als der ultimative Supergau. Ein Offenbarungseid, den der hagenower Handballsport so wohl noch nie erlebt hätte. Bei allem Respekt scheint die SG in dieser Saison nicht mehr als einen willkommenen Punktelieferanten darzustellen. Der Mix aus Neueinstegern und Altherrenmannschaft wird offensichtlich nur von Spielmacher Dankert am Laufen gehalten. Vor allem Auswärts scheint kaum Kampfbereitschaft zu bestehen. Zu Hause stellten die Crivitzer dennoch eine Mannschaft, die es immerhin mit dem HSV hätte aufnehmen können. Ein wahrer Schlager im Abstiegskampf. Handballherz was willst du mehr? Naja…wer einen Fetisch für atemberaubenden handballerischen Spektakel hegt, war an diesem Samstagabend vollkommen fehl am Platz. Vielmehr prägten schwache Abwehrreihen und fantasie- und harmlose Angriffswellen das Bild. Der Unterhaltungswert lag allerdings dennoch auf überdurchschnittlichem Niveau.

Mit seiner kaum geschlossenen 5-1-Deckung bot der HSV den Gastgebern schon von selbst die erhofften Lücken, ohne dass diese überhaupt etwas dafür anstellen mussten. Crivitz hingegen ließ selbst beste Torchancen aus. Viele Würfe verpufften bereits auf dem Weg zum Tor. Beste Voraussetzung für ein schnelles Umschaltspiel. Doch wer hat beim HSV schon Bock, mehr bzw. schneller als nötig über die Platte zu laufen. Rasche Gegenstöße und zweite Welle ? Gemessen an den sich gebotenen Gelegenheiten, kaum vorhanden. Und wenn, dann waren maximal zwei Spieler fast gänzlich auf sich alleine gestellt. Anspielstationen: Fehlanzeige.

War der HSV gezwungen, das Tor mit spielerischen Mitteln zu erzielen, sah das Ganze auch nicht viel besser aus. Vor allem auf der rechten Angriffsseite standen sich die Gäste selbst im Wege. Lediglich Debütant Tobias Schluck bei einem Kurzeinsatz, sowie Rückraummann Pötzsch sorgten hier für die einzigen nennenswerten Lichtblicke. Da war die zweite Halbzeit zu diesem Zeitpunkt allerdings schon weit vorangeschritten. In Halbzeit eins jedenfalls ging von dort kaum Torgefahr aus.

Bis zur 20. Spielminute blieb das Spiel beim Stand von 8:8 dann auch ausgeglichen. Die Mannschaften ließen bis dahin beste Möglichkeiten, eine Führung auszubauen ungenutzt. Einen Gang höher schaltete der HSV nach Umstellung der Abwehrformation und einiger Positionswechsel. Torhüter Braun konnte sich nun besser auf seine Vorderleute verlassen. Die Deckung stand deutlich flexibler und sicherer. Bis zur Halbzeit ließ sich ein kleiner Vorsprung erarbeiten. Bei besserer Zielgenauigkeit wäre durchaus ein deutlicheres Zwischenergebnis möglich gewesen. Dem kleingewachsenen crivitzer Schlussmann wurden die Bälle jedoch zu oft auf die Füße geworfen.

So stand es nach einer halben Stunde „nur“ 9:12 für die Gäste aus Hagenow.

Die Devise für die zweite Halbzeit war glasklar. Noch schnelleres Umschalten und die Chancen besser herausarbeiten. Zu verkrampft das Kombinationsspiel. Natürlich musste auch weiterhin auf das Stellungsspiel des Torhüters geachtet werden.

Der HSV kam aufgeweckt aus der Kabine und leistete sich in den nächsten 10 bis 15 Minuten kaum Aussetzer. Das 10:16 nach 35 Minuten bedeutete in meinen Augen bereits die Vorentscheidung. Zu sicher wurden die Würfe diesmal von Koch im Rückraum und Thiel auf Außen verwandelt. Rothgänger mit bestechender Form vom Siebenmeterpunkt. Hagenows Torhüter erwischten einen astreinen Tag. Die Hausherren machten es dem HSV halt zu einfach. Klar, die Gäste mussten auch weiterhin die Konzentration in der Deckung hochhalten. Im Angriff genügten jedoch weiterhin zwei drei simple Positionswechsel und der Werfer kam frei zum Abschluss. Dass das Endergebnis nicht höher ausfiel, war lediglich der miserablen Chancenverwertung geschuldet. Um die 20-Tore-Hürde zu überspringen benötigte der HSV beispielsweise etliche Versuche.

Da waren sie also wieder, unsere drei Probleme. Schwache Chancenverwertung, zu behäbiges Umschalten und (mit Abstrichen) das einfallslose Angriffsspiel. Schon ein gefährlicher Rückraumschütze oder schneller Konterspieler auf crivitzer Seite hätte das Spiel aus hagenower Sicht in eine unangenehmere Richtung drehen können. Glücklicherweise konnte die SG kaum nutzen aus hagenower Ballverlusten ziehen.

„Da gewint der HSV endlich ma und der Spinner hat imernoch was auszusetzten.“
„Findstest du überhaupt was gut was bei HSV passiert? Selbst gewinn finstest du ausscheinend garnicht gut.“

Letztendlich fuhr der HSV den Sieg doch recht souverän ein. Per Kempa-Trick zum 20:28 setzten die Gastgeber einen akrobatischen Schlussstrich unter die Partie. Natürlich war man mit der Höhe dieses Auswärtserfolges nicht zufrieden. Doch sollten die Jungs vom Hagenower SV die Kirche im Dorf lassen. Bei all der Schmach, die der HSV in den vergangenen Wochen erfahren musste, hatte man auch eine gehörige Last zu tragen. Was sich gerade gegen vermeintliche Punktelieferanten als nicht besonders förderlich darstellt. Schon schwierig, wenn man sich selbst als Schießbude der Liga in die Favoritenrolle drängt. Nach dem Schlusspfiff hörte man die Wackersteine förmlich von den HSV-Herzen fallen. In den Gesichtern der Gastgeber war herauszulesen, dass auch sie sich mehr von diesem Spiel erhofft hatten.

Am kommenden Sonntag empfangen die Gipfelstürmer von morgen den Plauer SV. Es gilt an der Leistung in Crivitz anzuknüpfen. Mit einem Sieg im Rücken lässt es sich deutlich befreiter aufspielen. Der PSV kommt ebenfalls noch nicht so recht in die Gänge. Diese Situation gilt es nun zu nutzen. Hauptaugenmerk sollte bis dahin wohl auf die Zielgenauigkeit der Torwürfe gelegt werden.

Nächste Woche gibt´s dann vielleicht mal wieder einen ausführlicheren Erfahrungsbericht. Oder gar keinen…

Und nun ab in die Kommentare!!!

Aufstellung gegen die SG Crivitz-Banzkow: Struck, Braun – Burmeister, Pötzsch, R. Thiel, M. Thiel, Pätzold, Fietkau, Koch, Rothgänger, N. Tügel, Schluck, Heidtke, Dietze

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