2. Spieltag 2015/2016 / SV Warnemünde II – Hagenower SV / 28:19

 

Nur noch lachhaft, was sich die Spieler so alles erlauben. Trainer Tügel ist nicht zu beneiden. Auf den Anfang der Saison kolportierten 24-Mann-Kader ist absolut kein Verlass. Oder wie lässt sich die Anreise zum SV Warnemünde II mit gerademal 12 jämmerlichen, notdürftig zusammengekratzten Gestalten erklären? Krankheit? Ok. Arbeit? Noch gerade so zu entschuldigen. Und sonst…? Hinzu kommt, dass einige Akteure einfach verschollen zu sein scheinen. Man wird sich damit abfinden müssen, dass bei den Spielern des Hagenower SV die Prioritäten ganz weit abseits des Handballs liegen. Dementsprechend schauen dann auch die Leistungen im Punktspielbetrieb aus.

 

Am vergangenen Samstag also der SV Warnemünde II. Die MV-Liga-Reserve verpatzte ihren Start in die Saison mit zwei deutlichen Niederlagen. Da kam der Hagenower SV anscheinend gerade recht. Dieser hatte die ersatzlosen Ausfälle von Brink und Koch zu verkraften. Kein gutes Omen. Gehörten beide in der Vorwoche doch wenigstens noch annähernd zu den bewegungsfreudigsten Protagonisten im hagenower Angriffsspiel.

 

Immerhin, die Gästekabine war sehr gut beheizt. Kurz zuvor schien wohl noch jemand einen Aufguss gemacht zu haben. Was denken sich die Verantwortlichen eigentlich dabei?! Eine Aufwärmung an sich hätte sich der HSV jedenfalls sparen können.

 

Den besseren Start ins Spiel erwischten immerhin die Gäste aus Hagenow, was allerdings nicht lange von Bedeutung war. Zwar stand die Deckung kompakt und bereitete dem SVW einige Schwierigkeiten, doch im Angriff kam man recht schnell zu dem Schluss, dass es heute für den HSV ziemlich schwer werden würde, etwas Zählbares mit nach Hause zu nehmen. Noch hielt Spielmacher Tügel seine Mannen mit sehenswerten Toren im Rennen. Diese fehlten auf den anderen Positionen jedoch mit zunehmender Spieldauer immer mehr, so dass die Gastgeber Tor um Tor davonzogen.

 

In der Halbzeitpause wurden nochmal ein paar Spielsituationen durchgespielt, die es in der zweiten Halbzeit umzusetzen galt. Irgendjemand meinte in der Kabine noch: „Wozu diese Absprachen, wenn sie, wie schon in der Vorwoche, niemandem interessieren?“ Er sollte leider Recht behalten.

 

Offensichtlich hielten es die Akteure auf der Platte für sinnvoller, sich auf ihr eigenes Vermögen zu beschränken. Umgesetzt wurden die Vorstellungen des Trainers jedenfalls nicht mal ansatzweise.

 

Beim Stand von 14:9 aus Sicht des HSV ertönte der Wiederanpfiff. Das Spiel der Hagenower setzte sich also dort fort, wo es nach den ersten 30 Minuten aufgehört hat. Mit schwachem Angriffsspiel wurde die gute Abwehrarbeit torpediert. Die einfachen Ballgewinne setzten die Warnemünder in Konter um. Nicht auszudenken, wie das Spielergebnis ausgesehen hätte, zeigten sich nicht wenigstens die Hagenower Torhüter in ansprechender Form. Leider rückte jetzt auch das (aus Rostock angesetzte) Schiedsrichtergespann nach und nach immer mehr in den Vordergrund. Zumindest empfand man es so beim HSV, der sich so ein wenig aus dem Konzept bringen ließ.

 

Den überwiegenden Teil der zweiten Halbzeit hatten die Gäste in Unterzahl zu bestehen, wobei einige Zeitstrafen eher einem Witz glichen. Lachen konnten darüber jedenfalls nur die Gastgeber. Die letzten fünfzehn Minuten standen eigentlich nur noch im Zeichen der Ergebniskosmetik. Der Gegner war bereits zu weit enteilt, als dass der HSV mit seinen lächerlichen Angriffsbemühungen etwas hätte ausrichten können. Schwache Abschlüsse auf hagenower Seite und frech kombinierende Warnemünder prägten das Bild.

 

Die Saisonvorbereitung scheint auch keine Wirkung mehr zu zeigen. Zu den technischen Defiziten gesellten sich jetzt auch konditionelle Mangelerscheinungen. Na gut. Von den 12 Spielern im Aufgebot des HSV kam gerademal die Hälfte im Sommer aus ihren Löchern gekrochen. Beim Stand von 28 : 19 wurde dann endlich abgepfiffen. Wieder einmal mit der Erkenntnis, dass die Halle am Gerüstbauerring einfach kein gutes Pflaster für die Handballer des Hagenower SV zu sein scheint.

 

Eine tadellose Schiedsrichterleistung kann von mir leider weder in Halbzeit eins, noch im zweiten Durchgang bestätigt werden. An Überheblichkeit und Selbstdarstellung war das Paar kaum zu überbieten. Doch war das Auftreten und die Zweikampfbewertung der Unparteiischen nicht das Problem für diese deutliche Niederlage. Vielmehr sollte der HSV bei der Ursachenforschung in den eigenen Reihen suchen. Dabei braucht man gar nicht allzu tief graben.

 

Der HSV zeigte ein nahezu unterirdisches Angriffsverhalten. Die Spielmacher Tügel und Rothgänger bildeten die einzigen Aktivposten. Der Rückraum konnte kaum für die nötige Gefahr sorgen, um ein wirkungsvolles Positionsspiel aufzuziehen. Leidtragende waren in diesem Fall die Außenpositionen, sowie die Kreisläufer, welche kaum mit Bällen gefüttert wurden bzw. werden konnten. Da greifen einfachste Spielzüge nicht, weil die Laufbereitschaft fehlt. Stattdessen plagt sich der HSV mit Versagensängsten herum. In aussichtsreichen Wurfpositionen wird die Aktion abgebrochen und lieber der Ball weitergespielt oder - besser noch - stattdessen der gegnerische ungestörte Mittelblock gesucht, um sich gegen diesen zu behaupten. Auf den Außenpositionen wird nur auf das Zuspiel gewartet, statt sich aktiv ins Geschehen einzubinden. Kurzum: alles wartet darauf, dass der Spielmacher etwas mit dem Ball anstellt, seine Mitspieler in Szene setzt. Null Komma nix Eigeninitiative. So jedenfalls gewinnt der HSV in dieser Saison kein einziges Spiel.

 

Da freut man sich beim Hagenower SV doch auf das anstehende Pokalspiel beim SV Aufbau Sternberg. Die Partie ist schon so gut wie gewonnen. Was wollen die Kreisligisten auch gegen uns ausrichten. Was? Die sind Tabellenführer? Na und. Wir spielen Verbandsliga! Auch beim HSV wird in einigen Teilen die Überheblichkeit mit Löffeln gefressen.

 

Tatsächlich stehen die Sternberger nach deutlichen Siegen gegen den Vellahner SV und dem TSV Goldberg auf Platz eins. Dem steht nur eine knappe Niederlage gegen den Güstrower HV gegenüber. Der HSV tut gut daran, die Aufgabe mit etwas mehr Demut anzugehen. Auch in Sternberg wird die Nachricht angekommen sein, in welch miserabler Verfassung sich der Gegner aus Hagenow befindet. Leider kommt auch diese Begegnung für einige Protagonisten des HSV völlig überraschend. Die volle Kaderstärke wird wohl auch in Sternberg nicht erreicht werden können, geschweige denn alle Positionen adäquat besetzt sein.

 

Die Niederlage gegen den SV Warnemünde II noch nicht ganz verkraftet haben:

Struck, Braun – J. Tügel, Burmeister, Pötzsch, R. Thiel, M. Thiel, N. Tügel, Pätzold, Fietkau, Rothgänger, Dietze

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