1. Spieltag 2015/2016 / Hagenower SV – HSG Uni Rostock / 27:28

 

Saisonstart für die Handballmänner des Hagenower SV. Und das unter denkbar schwierigen Bedingungen. War die Spielzeit 2015/2016 schon zwei Wochen alt, durfte der HSV nach Spielabsagen erst jetzt in das Geschehen eingreifen und das auch noch ohne jegliche Spielpraxis, sieht man mal von mindermotivierten Trainingsspielchen ab. Die Gäste von der Hochschulsportgemeinschaft Universität Rostock durften hingegen schon ihr Torekonto bei zwei Begegnungen auffüllen.

 

Nichts desto trotz waren die hagenower Recken heiß auf eine gepflegte Partie Handball. In eigener Halle war die HSG immer ein willkommener Gegner. Das betrifft sowohl das faire Miteinander als auch den potentiellen Punktgewinn. Vergleiche beider Teams führten regelmäßig zu einer ausgesprochen überschwänglichen Bierlaune der gastgebenden Mannschaft. Fielen die Endergebnisse doch immer recht deutlich aus. Auf diese wollte der HSV auch diesmal nicht verzichten. Dass eben jene erhoffte Bierlaune dann eher in einem Frustbesäufnis endete, war so jedoch zunächst nicht abzusehen.

 

Die Gastgeber traten erstmal aufs Gaspedal. Offensichtlich semesterferiengeschädigt nahmen schließlich nur zwei Reservekräfte auf der Bank der Hansestädter Platz. Die erste Führung markierten die Hausherren, konnten sich aber nicht weiter absetzen. Schon mit dem ersten Angriff der Gäste ließ sich die fehlende Wettkampfpraxis in der Defensive erahnen. Da langte schon der Ansatz einer schmeichelhaften Körpertäuschung aus, um die hagenower Deckung aufs übelste zu düpieren. Ausnahmslos jeder Spieler des HSV durfte sich dann auch mindestens einmal zum August machen lassen. Gerade auf der halbrechten und linken Deckungsposition wurden dem HSV in den ersten 15 Minuten arge Defizite aufgezeigt. Für die gegnerischen Angriffe über Rechtsaußen hatten zudem Jungtorwart Braun, wie auch sein Kollege in der Abwehr, sehr viel Lehrgeld zu bezahlen.

 

Also mussten sich die Hagenower ordentlich strecken, um die Führung nicht aus der Hand zu geben. Gerade Spielmacher Tügel hielt sein Team mit bestens platzierten Schlagwürfen im Spiel. In der zweiten Phase von Halbzeit eins lief dann nicht mehr alles so schön rund. Zwar sorgte der Torhüterwechsel für den ersehnten Rückhalt. Doch die Probleme im Abwehrverbund blieben bestehen. Die schnelle Mitte wurde nur noch sporadisch als Erfolg bringendes Stilmittel eingesetzt. Aus dem Rückraum fehlte die letzte Konsequenz und Zielgenauigkeit. So zogen die Gäste dann also doch noch vorbei. Einziges Highlight der letzten 10 Minuten in Halbzeit eins war ein aus einer starken Struckparade heraus nach vorne getragener Konter, den Dietze in letzter Sekunde ins gegnerische Tor wemmste. Das dann leider auch als einzige nennenswerte Aktion unserer Nachwuchskräfte in Erinnerung bleibt. Die Schulterklopfer waren zwar berechtigt, doch leider befürchte ich für die anstehenden Aufgaben einen erneuten Anfall von Übermut. Würde mich aber auch freuen, eines besseren belehrt zu werden…

 

Jetzt erstmal Pausentee. Mehr „Bewegung im Aufbauspiel“ und höheres „Tempo bei Ballgewinn“ wurde den Spielern mit auf den Weg gegeben. Die Seiten wurden übrigens beim Stand von 16:17 gewechselt.

 

Nun schickte sich der HSV doch tatsächlich an, die Vorgaben des Trainers umzusetzen. Naja, zumindest teilweise. In der Abwehr standen die Gastgeber deutlich stabiler. Im Gegenstoß nahmen die Hagenower ebenfalls Geschwindigkeit auf, was allerdings immer noch eher an eine Altherrentruppe erinnerte, die mit Mühe ihre Bierbäuche vor sich her zu schleppen versucht. In Puncto Zielgenauigkeit ließ sich leider keine Verbesserung erkennen. Dem rostocker Schlussmann genügte all seine Routine, um die halbhohen Bälle aus dem Stand heraus abzuwehren. Kam der Rückraum mal mit Dampf, zappelte der Ball jedoch im Netz der HSG. Wollte von den ausführenden Kräften beim Hagenower SV aber irgendwie niemand so richtig begreifen…

 

Nicht mal, als der HSV mit zwei Toren in Front lag. Der Sieg war greifbar nahe. Nur ließen die Gastgeber das bisher erfolgreiche Spiel über die Außen vermissen und schlossen ihre Angriffe stattdessen zu voreilig ab. Eine weitere Grundlage für den Erfolg machte sich der HSV zudem in der Abwehr zunichte. Hier passte ja fast gar nichts mehr zusammen. Beste Möglichkeiten für den gegnerischen Kreisläufer, sich auszuzeichnen. Die HSG zog wieder von dannen. Es wurde zum Ende hin also mal wieder spannend.

 

Beim Stand von 26:28 erobert sich der HSV den Ball und netzt im Gegenzug ein. Die Rostocker haben ihrerseits noch Zeit, den Sieg endgültig einzutüten, zeigen jedoch bei noch rund zehn zu spielenden Sekunden nerven. Auszeit HSV. Letzte Absprache für einen Spielzug. Keinen Grund zur Hektik und die Position scheint auch optimal. Das Unentschieden nehmen wir hier mit. Der doppelte Kreuz, den der Rückraum des HSV für gewöhnlich Nachts um 3 nach 40 Bier und ´ner Großen noch locker flockig aufs Parkett bringen würde, gelingt gerade jetzt eben nicht. Ball weg. Abpfiff. Hängende Gesichter. Und ein enttäuschendes 27:28 auf der Anzeigetafel.

 

Die Gäste aus Rostock hatten allen Grund zum Jubeln, sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, aber letztendlich aufgrund der konsequenteren Chancenverwertung den Sieg verdient. Der HSV hingegen stellte sich das Bein mal wieder selbst.

 

Noch auf dem Parkett ging es an die erste Analyse, die sich ähnlich liest, wie dieser Text hier.

 

Aufstellung: Struck, Braun – J. Tügel, Brink, Patzner, Burmeister, Pötzsch, R. Thiel, N. Tügel, Pätzold, Fietkau, Koch, Rothgänger, Dietze

 

Spätestens kommenden Samstag holt dem Hagenower SV das Tagesgeschäft wieder ein. Gegner ist dann der SV Warnemünde II, der am Wochenende in Neukloster mit 21:13 gehörig unter die Räder geriet. Vorteil HSV ? Es geht immerhin in die „Havanna-Halle“. Oha ! Lässt sich da noch an Handball denken? Ein allzu großer Kräfteunterschied wird wohl nicht zu erwarten sein. Und zu bestellen hatte der HSV in dieser unangenehm zu spielenden Halle bisher auch noch nie etwas. Außer vielleicht die gute Mische an der Havanna-Bar. Die muss sich das Team um Trainer Helwig Tügel allerdings erstmal verdienen…

Kommentar schreiben

Kommentare: 0