7. Spieltag 2014/2015 / SV Warnemünde II - Hagenower SV / 26:22


Hallo Freunde des schlechten Handballgeschmacks.

Bevor ihr es von anderen erfahrt, will ich mal fix meinen Senf zum letzten Spiel des Hagenower SV abgeben.

 

Mit voller Kapelle nahmen die Hagenower Feierbiester Kurs Richtung Rostock-Groß Klein. Diesmal zu Gast beim SV Warnemünde II. Nach einigem hin und her einigte man sich in der Anwurfzeit auf Samstag 14:00 Uhr. Mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen im Gepäck sollten die ersten Auswärtspunkte eingefahren werden. Dass dies gegen die spielerisch eher limitierte warnemünder Reserve kein leichtes Unterfangen werden würde, musste der HSV in der Vergangenheit leider schon zu oft schmerzlichst erfahren. Heute sollte endlich der sprichwörtliche Bock umgestoßen werden, um auch in der Tabelle den Anschluss zum Mittelfeld nicht zu verlieren.

 

So starteten die Hagenower recht gut in die Partie. Nach zehn Minuten führten die Gäste mit 6 zu 2. Bis hierhin war die 5-1-Deckung recht aufmerksam und ging beherzt zu Werke. Die Angriffe verliefen hingegen eher schleppend. Bei zu wenig Bewegung ohne Ball setzte der HSV mehr auf Einzelaktionen. Mit engagierterem Auftreten wäre die Führung sicherlich schon etwas höher ausgefallen. Bei der atemberaubenden Kulisse, die in dieser Halle herrscht - selbst Vereinskameraden scheinen sich einen Dreck um ihre Zweite des SVW zu scheren - dümpelte das Spiel so vor sich hin. Und da es nicht einmal besoffene Unmutsäußerungen in Richtung des Gästeteams gab, hatte die Begegnung eher langweiliges Trainingsspiel-Niveau, was auch an dem schwachen Geschehen auf der Platte gelegen haben mag. Frei nach dem Motto „Die einen können nicht (SVW) und die anderen wollen nicht (HSV)“ sorgte die Begegnung für keinerlei Unterhaltungswert, sofern man mal davon absieht, dass die Gäste ihre Führung jetzt auch noch abgaben. Was war passiert?

 

Nun ja…auf die Deckung der Hagenower will ich erstmal nichts kommen lassen. Vielmehr war das verschlafene Auftreten im Offensivbereich der Grund für dieses Debakel. War Spielmacher Tügel einziger nennenswerter Aktivposten, sorgte der HSV auf den weiteren Positionen kaum für Gefahr. Keine Bewegung, kein energisches Einstechen in die löchrige warnemünder Defensive. Alle Augen waren also auf den hagenower Spielgestalter gerichtet. Und weil der gute Mann eher als Sündenbock, denn als Heilsbringer verstanden wird, machte sich vermehrt Unzufriedenheit in den eigenen Reihen breit. Da werden die Nebenleute nicht in Szene gesetzt, der Freiwurfblock nicht richtig gestellt, die Außen laufen nicht ein und mitgedacht wird ohnehin kaum. Da bist du dann schnell der Wurst-Achim. Beim HSV muss man seine Spieler nämlich noch an die Hand nehmen. Nee nee Leute, so kann das natürlich nichts werden. Und weil dann klägliche Angriffsbemühungen schon im Versuch scheitern, muss ja bei irgendwem die Schuld gesucht werden. Tügel wurde schon genannt, aber das wird irgendwann auch eintönig und doof. Zumal Tügel jetzt auf Halb und dafür Rothgänger, mit ähnlichen Vorschusslorbeeren ausgestattet, ins Angriffszentrum rückte. Ach ja…da kommen doch die Schiedsrichter gerade recht…

 

Beim Stand von 10 : 9 aus Sicht des SVW wurden die Seiten gewechselt.

 

Hektisch wurde dann versucht, zu analysieren, wie denn nur 3 Tore in 20 Minuten zustande kommen konnten. Die Unterhaltung war letztendlich eher kontraproduktiv. Der Versuch von Abwehrkante Pötzsch, die Verunsicherung bei seinen Mitspielern zu lösen, da schon deutlich hilfreicher. Allein, es wollte auch in Halbzeit zwei nicht so recht der Turbo zünden.

 

Ballverluste und unplatzierte Würfe prägten das Bild im hagenower Spiel. Dabei ließ der HSV aber auch immer wieder erkennen, wie einfach es doch eigentlich war, Tore zu erzielen. In den entscheidenden Momenten versagten jedoch die Nerven. Da will man dann bei jedem Körperkontakt einen Freiwurf bekommen. Und weil man in der Abwehr dann und wann auch mal etwas zu plump gegen den Ball arbeitete, setzte es vor allem Mitte der zweiten Halbzeit eine Vielzahl an Zeitstrafen. Am Ende zählte man 10 zu 3 Hinausstellungen. Auf den ersten Blick natürlich unverhältnismäßig. Davon allerdings allein schon 3 wegen Meckerns. Die Unparteiischen agierten ohne Frage etwas unglücklich. Der eine oder andere vermutete bereits eine Schikane, weil man glaubte, die Schiris würden jedes Mal dann eingreifen, wenn die Gäste dem SV Warnemünde bedrohlich nahe kamen. Um den Gegner in eine ähnliche Situation zu bringen, tat der HSV hingegen viel zu wenig. Wofür hätte es für die Gastgeber Zweiminutenstrafen setzen sollen, so harmlos wie der HSV war? So braucht man sich nicht zu beschweren. Ein unnötiges Durcheinander auf der Platte und Hektik auf der Bank. Das kann halt nicht gutgehen. Da ist dann von Emotionen die Rede. Emotionen, klar. Wut und Empörung sind zweifelsfrei solche. Doch wo bleiben Leidenschaft und Siegeswille?

 

Als dann noch nicht mal die Messen gesungen waren, der HSV sich aber schon mit der Verliererrolle zufrieden zu geben schien, waren immerhin noch gut zehn Minuten zu spielen und die Oberliga-Reserve gerademal mit 6 Toren in Front. Nun besannen sich die Gäste endlich wieder, wie in der Anfangsviertelstunde dieser Partie, auf das Wesentliche, nämlich Handball gegen den SV Warnemünde II zu spielen. Angesichts der einfachen Tore, die der HSV nun wieder erzielte, wollte zwar niemand seine Scham zu erkennen geben, doch sie war da. Tja, Hagenow hat es sich mit seinem peinlichen Auftritt selbst versaut. Dabei war das Handballspiel des HSV an sich nicht einmal das Peinlichste an diesem Tag. Die Außendarstellung hat mal wieder prächtig gelitten.

 

Irgendwann hatte auch dieses Trauerspiel ein Ende. Die Mannen des SV Warnemünde wissen wahrscheinlich immernoch nicht, wie sie zu diesem Sieg gekommen sind, zumal auch das Publikum dieses Ergebnis eher unbeeindruckt zu registrieren wusste. Jedenfalls wird über dieses 26:22 in den hagenower Reihen noch zu reden sein.

 

Nun drückt Nase dem hagenower Handball ja schon einige Jahre, mehr schlecht als recht, seinen Stempel auf. Aber seit er sich erinnern kann, herrscht dieses ewige Lamentieren und Hadern mit dem Schiedsrichterwesen vor. Hat man gehofft, der HSV besinnt sich endlich eines besseren, verfällt er alsbald wieder in diese grundschlechten Tugenden. Da braucht mir niemand mit „Emotionen“ kommen. Letztendlich bleibt nur, sich spätestens in einer ruhigen Minute diesbezüglich einmal zu hinterfragen. Denn mit seinem begrenzten Handballvermögen hat der Hagenower SV schon genug zu tun…

 

Immerhin zeigte Nachwuchstorhüter Braun nach kurzer Anlaufzeit eine ansprechende Leistung. Ebenso wie Außenspieler Züllich, der vorne eiskalt vollstreckt und in der Abwehr nunmal Fehler begeht, die man als junger, unerfahrener Spieler eben macht.

 

Am kommenden Samstag dürfen sich die hagenower Handballfans von einem solchen Armutszeugnis selbst überzeugen. Diesmal tritt der HSV gegen ein noch nicht nominiertes Schiedsrichterpaar an. Ach ja, die noch ungeschlagene 3.-Liga-Reserve des SV Mecklenburg Schwerin ist auch zugegen.

 

Angepfiffen wird der Spaß übrigens um 18:00 Uhr.

 

Aufstellung in Warnemünde: Struck, Braun – J. Tügel, Brink, Burmeister, Patzner, Pötzsch, R. Thiel, N. Tügel, Trahms, Pätzold, Fietkau, Rothgänger, Züllich


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Kommentare: 6
  • #1

    Beobachter (Donnerstag, 20 November 2014 16:25)

    Hast du schon mal Handball gespielt?Scheinbar fehlt dir die objektive Sicht ein Spiel zu bewerten.So traurig war es nicht.... Wer das Tor nicht macht und dann sich mit den Schiedsrichtern beschäftigt gewinnt selten!

  • #2

    nase (Freitag, 21 November 2014 11:40)

    Richtig ! So steht´s ja auch dort oben im Erfahrungsbericht.
    Vielen Dank für das Interesse "Beobachter" !

  • #3

    Guter Geschmack (Samstag, 22 November 2014 14:01)

    Ich finde es gut, dass du das Ergebnis nicht an den Schiedsrichtern festmachst und die Anzahl der Zeitstrafen relativierst....
    Was ich in einem solchen Spielbericht absolut unmöglich finde ist den Gegner, der klar besser gespielt hat als völlig talentlos darzustellen.
    Außerdem finde ich es äußerst traurig, dass für dich "besoffene Unmutsäußerungen in Richtung des Gästeteams" dein Maß für Zuschauerqualität ist...

  • #4

    nase (Montag, 24 November 2014 08:45)

    Guten Morgen,
    Jetzt kommt endlich mal Leben in die Bude. Vielen Dank für das tolle Feedback. Ein besoffenes Publikum ist definitiv nicht der Gradmesser für gute oder schlechte Stimmung, sondern für mich lediglich eine Komponente, die für einen gewissen Unterhaltungswert sorgt. Mal ehrlich: Macht es den Spielern Spaß, vor solch langweiliger Kulisse wie am Gerüstbauerring aufzutreten? Da wird ja nicht mal ein Tor beklatscht. Selbst die Erste des SV Warnemünde scheint nicht allzu hoch in der Gunst der Rostocker Handball-Fan-Gemeinde zu stehen. Für mich auch ein Grund, weshalb der HSV irgendwann das Handballspielen vergessen hat. Das war ja mal wieder wie beim Training, wenn alle schon an das Feierabendbier denken.
    Dass ich mit meiner subjektiven Betrachtung der Hagenower Spiele nicht jedermanns Nerv treffe, kommt schonmal vor. Nicht jeder erkennt sofort die Ironie bzw. den Zynismus, der zwischen den Zeilen zu lesen ist. Den Gegner zu denunzieren liegt nicht in meiner Absicht, sondern soll lediglich die schwachen Auftritte des HSV unterstreichen. Wer die Beiträge verfolgt, kann das eventuell bestätigen. Desweiteren bezeichne ich mich neben Dieter O. aus H. als wohl größten Kritiker des HSV. Dass mich meine Vereinskameraden noch nicht an der Hallendecke aufgeknüpft haben, wundert mich mittlerweile schon sehr.
    Wem meine Ausführungen zu hart erscheinen, darf die weichgespülte Spielberichterstattung gerne in den News nachlesen.
    Desweiteren möchte ich betonen, dass ich auch weiterhin gerne in der Halle am Gerüstbauerring vorbeischaue. Hochwertige Müsche für zwei-fuffzig. Trinkerherz was willst du mehr ?

  • #5

    ingo555 (Dienstag, 25 November 2014 14:20)

    Hallo lieber Nase wenn du jetzt schon soviel Kritik übst an deinen Mannen teils unverständlich dann will ich dich belehren weil am Wochenende sah ich eine Mannschaft die bis zum schluss gekämpft hat auch wenn sie mit 10 hinten lagen aber nichts desto trotz finde ich es ziemlich beschämend das du so schlecht von deinen Mannen redest...
    sportlicher Gruß Ingo555

  • #6

    nase (Mittwoch, 26 November 2014 07:59)

    Super Ingo ! Da du in der Halle zugegen warst, gehe ich mal davon aus, dass du nicht die Torwartlegende mit extravagantem Kleidungsstil bist. Vielen Dank für dein Interesse an „Nase´s Plauderecke“ und am Hagenower Handball. Freut mich, dass du dich am Samstag so gut unterhalten gefühlt hast. Warum du aber den Vergleich zu einem Spiel ziehst, das bei Erstellung dieses Meinungskastens noch gut 5 Tage in der Zukunft lag…? Ich finde es rührend, dass du dir so schön Sorgen um mich machst. Du hast Recht. Selbst meine Mannschaftskameraden waren schon etwas bedrückt, weil ich jüngst so hart mit mir selbst ins Gericht gegangen bin. Jeder Spieler weiß, was er zu leisten imstande ist. Ruft er seine Leistung nicht ab, ist er genauso in der Lage diese auch entsprechend einzuordnen. Genauso, wie meine Kritiken als eher konstruktiv eingestuft werden. Aber ich kann euch beruhigen. Die eine oder andere Einschätzung hat mitunter schon zu Diskussionen angeregt. Ich empfehle dir, Ingo555, einfach mal ein paar Trainingseinheiten der Herrenmannschaft zu besuchen. Das Training ist ja öffentlich. Ich versichere dir, auch du wirst die Spiele des HSV künftig aus einem ganz anderen Augenwinkel betrachten.
    Für Kritik bin ich weiterhin gerne zugänglich.