10. Spieltag 2014/2015 / TSV Bützow II - Hagenower SV / 22:21

Dieses Wetter im Spätherbst ist schon ziemlich tückisch. Da läuft einem schnell mal der Rotz aus der Nase. Und dann gibt´s auch noch einen kleinen (überflüssigen) Nebeneffekt, der sich in akuter Unlust auf Auswärtsfahrten zum TSV Bützow II äußert.

So stellte sich das Team des Hagenower SV, bei 6 Krankmeldungen, einem Verletzten und drei traurig-langweiligen Gestalten, beinahe schon von alleine auf. Trainer Tügel blieb rotgesperrt und arbeitsbedingt in der Heimat. Betreuer Tügel gönnte sich bei gefühlten 360 Tagen Handball im Jahr, einen verdienten freien Tag. Der verletzte Kreisläufer, René Patzner, gab freundlicherweise ohne lange zu überlegen den Wechseltoni und Motivator, während Nachwuchstrainerin Corinna Balfanz fleißig den Bleistift spitzte.

Das Repertoire an Spielern sah dann heute wie folgt aus: Im Tor wie gewohnt mit Struck und Braun. Auf Linksaußen wurde R. Thiel von Dietze unterstützt. Die Gegengerade beackerten Tegge und Bargende. Mit der Nr. 2 und Rothgänger stand die etatmäßige Schaltzentrale zur Verfügung. M. Thiel am Kreis wurde bei Verschnaufpausen von Pätzold abgelöst. Derweil blieb auch im Rückraum mit Koch, Brink, Pötzsch und N. Tügel alles beim Alten. Auf dem Papier also eine schlagkräftige Truppe, mit der beim punktlosen Tabellenschlusslicht heiß ersehnte Zähler zu erobern möglich gewesen wären. Doch neben Schlagkraft benötigt man beim Handball auch eine gewisse Schlagfertigkeit in Form von Spielwitz /-ideen, Eigeninitiative und grundlegender Ballbeherrschung.

Bereits aus dem Hinspiel war der HSV gewarnt, dass die MV-Liga-Reserve mit nur einem wirklich torgefährlichen Spieler gesegnet schien. Das Nonplusultra im bützower Spiel ist ohnehin die kompakte Deckung, an der sich der HSV oft genug die Zähne ausbiss. Eine gute Gelegenheit hier nochmal an das 2:12 Halbzeitergebnis vom 27.11.2010 zu erinnern. Soweit sollte es diesmal natürlich nicht kommen. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Spielstandes stand aus hagenower Sicht ohnehin sehr gering, was der HSV dann auch mit einer schnellen 3:1-Führung unterstrich. Mit schnellem Angriffs- und Kombinationsspiel setzte man dem Gegner zu, der sich noch nicht so recht in der Defensive gefunden hatte. Die hagenower Abwehr stand über das gesamte Spiel ganz ordentlich. Man gewährte dem Gegner nur wenige klare Möglichkeiten. Doch den Dreh- und Angelpunkt im bützower Angriff, nämlich den genannten wurfgewaltigen linken Rückraumspieler, konnten die Männer des HSV in Halbzeit eins nie so richtig kaltstellen. Hier war die Defensivarbeit zu aufwendig auf eben diesen einen Spieler fokussiert, wodurch sich Lücken für dessen Nebenleute boten.

In der Offensive geriet der HSV-Motor nun leider mehr und mehr ins stocken. Was unter anderem auch an der eingangs erwähnten, mangelhaften Ballbeherrschung lag. Viel schmerzhafter jedoch wirken die astreinen Tormöglichkeiten auf den Außenpositionen, die zu gut 80 % vergeben wurden. Da halfen leider auch keine Spielerwechsel. Der Halbzeitrückstand von 14:10 war also mehr als vermeidbar.

Natürlich war man mit diesem Ergebnis alles andere als zufrieden. Doch durfte der HSV jetzt nicht den Kopf verlieren. Zum Ende der ersten Halbzeit verlor der HSV den Faden im Kombinationsspiel. Mehr Bewegung ohne Ball war ein Ansatz, das Spiel wieder an sich zu reißen. Natürlich wurde auch auf die herzlosen Abschlüsse von den Außenpositionen eingegangen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde dann der gefährlichste Schütze des TSV kurz gedeckt, der sich daher an den Kreis zurückzog. Die Qualität im Aufbauspiel der Gastgeber litt dadurch zusehends. Bützow bekam nur noch wenig zu Rande und kam lediglich durch Abstimmungsprobleme in der hagenower Deckung zum Torerfolg. Der HSV hätte sich so wieder heran kämpfen und vielleicht sogar mal wieder die Führung markieren können. Scheiterte aber auch weiterhin zu oft frei vor dem Tor. Im Rückraum hätten sich die hagenower Mannschaftsverantwortlichen etwas mehr Risikobereitschaft gewünscht. Doch in aussichtsreicher Position wurde der Angriff ein ums andere Mal abgebrochen und der Spießrutenlauf durch die bützower Deckung gescheut. So geschah dann acht Minuten auf beiden Seiten…gar nichts. Beim Stand von 17:13 aus Sicht der Gastgeber stellten beide Mannschaften erstmal gepflegt das Torewerfen ein. Auch ein Prädikat für die aufmerksam agierenden Abwehrreihen.

Ungefähr sechs Minuten vor Schluss schwor sich der HSV nocheinmal bei einem Team-Time-Out ein. Der Vier-Tore-Rückstand sollte kein Grund sein, die Köpfe hängen zu lassen. Wie im gesamten Spiel zeigten die Gäste auch in den Schlussminuten eine tolle Moral. Und als dann 1 Minute vor Ultimo der Ausgleich zum 21:21 erzielt wurde, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen der HSV-Bank. Im Gegenzug war es dann - wie so oft in dieser Saison - wieder eine kleine Nuance an Unaufmerksamkeit, die die Hausherren jubeln ließ. Noch war die Partie jedoch nicht zu Ende. In den verbleibenden 15 Sekunden war genug Zeit, noch wenigstens einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Doch der etwas zu eilige Querpass war nicht nur in der Ausführung die vieleicht falsche Wahl.

So stand der Hagenower SV wieder einmal nach vorbildlicher Kampfmoral am Ende mit leeren Händen da. In diesem Fall sollten die Jungs des HSV aber weniger mit der letzten Angriffsaktion hadern, sondern viel mehr ihr Wurfverhalten auf den Außenpositionen hinterfragen. Allein die hier ausgelassenen Torchancen hätten eine zweistellige Führung ermöglichen können. Dabei spielten die bützower Torhüter allein ihre Routine aus und hatten damit wenig Mühe. Wie auch? Von Rechtsaußen kamen die Bälle aus spitzem Winkel Richtung kurzem Pfosten, während auf links mit dem Spielgerät fast ausschließlich auf den langen Pfosten gezielt wurde. Die Flexibilität im hagenower Wurfbild ist geradezu atemberaubend.

Nun geht’s in eine dreiwöchige Pause. Genügend Zeit, für die kommende Begegnung mit dem Güstrower HV am 11.01.2015 Kraft zu tanken und seine Gedanken zu sammeln, hat der HSV also.

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